1 Aug

Zu den Büchern kommt bei KNV Zeitfracht jetzt auch Kindermode ins Regal

  • By: ZEITFRACHT Gruppe
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Geschäftsführer Thomas Raff zieht Bilanz nach einem Jahr der Übernahme durch die Zeitfracht-Gruppe.
Von Frank Karmeyer

Erfurt. Am heutigen 1. August ist es genau ein Jahr her, dass die Zeitfracht-Gruppe den insolventen Buchgroßhändler KNV übernommen hat. Seither gab es keinen Stillstand in der Logistikzentrale in Erfurt-Mittelhausen, wie Thomas Raff, Geschäftsführer des nun als KNV-Zeitfracht firmierenden Unternehmens sagt. Auch nicht Corona-bedingt.
Im Gegenteil: Prozesse wurden optimiert, in Software investiert und an vielen Stellen verbessert, was an Baustellen bei der Übernahme von „Deutschlands größtem Buchregal“ vorgefunden worden war. Etwa ein Viertel des deutschen Buchmarktes läuft über den Standort in Erfurt, etwa 1000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt.

Unternehmen kann Marktanteile offenbar zurückgewinnen

Von Erfurt aus werden weiterhin Buchhändler in Deutschland, in Österreich und der Schweiz meist über Nacht mit Büchern und anderen für den Buchhandel relevanten Artikeln beliefert, dies inzwischen aber auch in Zeitfracht-Lastwagen. Größere Lieferkapazitäten, geringere Kosten – so hätten sich bereits Synergien seit der Übernahme ergeben. Marktanteile, die in der KNV-Krise verloren gingen, habe man zu-rückgewinnen können, sagt Raff, ebenso das Vertrauen der Kunden.
„Unsere Zahlen sind gut, wir können nach den zwölf Monaten konstatieren: Wir sind ein gesundes Unternehmen“, sagt Thomas Raff und spricht dabei von einer wichtigen Botschaft in Richtung der Gesellschafter und Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten.
Der Umzug und technische Probleme zum Start am neuen Standort seien nur zwei der diversen Aspekte, die das Vorgänger-Unternehmen finanziell in die Knie gezwungen hätten. Anders die Zeitfracht-Gruppe: „Wir können investieren, wir wollen investieren und haben damit gute Rahmenbedingungen, den Standort weiter auszubauen“, sagt Raff.
Kerngeschäft sollen Bücher bleiben. Aber auch „buchfremde“ Artikel sollen vom Erfurter Standort auf die Reise gehen. Der erste ist schon im Boot: Ab 17. August wird erstmals Ware eines großen Online-Handels für Kindermode ab Erfurt ausgeliefert, der Name ist noch geheim. „Wir konnten unseren Kunden davon überzeugen, dass wir nicht nur Buch können“, sagt Raff. Ziel sei es, das Unternehmen insgesamt breiter aufzustellen, den Standort besser auszulasten und sich von der Abhängigkeit vom Buch allein zu lösen. „Wir sind sehr froh darüber, dass uns dies innerhalb so kurzer Zeit gelungen ist“, sagt Geschäftsführer Thomas Raff, der weitere Partner umwerben will.
Den Regalen des Logistikers ist es schließlich egal, ob Bücher, Textilien oder anderes darin liegt: Alle Sortimente, die in eine der Transportwannen passen, die über die Förderbänder rollen, könnten bedient werden. Platz bietet der Firmensitz aber auch für Sonderformate – vom Bobby-Car bis zum Wein, allein weiße Ware wie Waschmaschinen oder Lebensmittel mit Kühlbedarf schließt er aus.

Bislang keine Kurzarbeit am Standort Erfurt

Als Buchhändler wegen Corona schließen mussten, habe KNV-Zeitfracht Wege gefunden, dennoch auf Kurzarbeit am Standort Erfurt verzichten zu können. Wird normalerweise das bestellte Buch an eine der über 1000 Partnerbuchhändler in Deutschland geliefert, wo der Kunde dies selbst abholt oder der Händler dann ins Haus bringt, hat KNV-Zeitfracht auch den Part der Kundenbelieferung in der Lockdown-Phase übernommen. Wir haben damit viele Buchhandlungen retten können“, sagt Thomas Raff. Umsatzverluste habe es daher keine gegeben.
Während der Gastronomie-Bereich coronabedingt geschlossen bleiben musste, wurden Mitarbeiter und Auszubildende dieser Branche bei KNV-Zeitfracht beschäftigt. Mit Hilfe der Stadt Erfurt sei dies gelungen. Köche und Restaurantfachleute hätten so ein Einkommen gehabt und die Krise überbrückt. Mitarbeiter aus den EU-Nachbarländern, die einen Teil der Belegschaft stellen, seien dem Unternehmen treu geblieben: „Abwanderungen gab es kaum.“
Was Raff auch auf die hausinternen Pandemiepläne und die geleistete Vorsorge zurückführt: Schon im Mai sei das Jahresbudget für Reinigungs- und Desinfektionsmittel komplett verbraucht gewesen. Strikte Vorsichtsmaßnahmen und eine Portion Glück hätten dazu geführt, dass es keinen einzigen Corona-Fall im Haus gegeben habe.

Anbindung an den Nahverkehr soll verbessert werden

Wer weiterhin zur Arbeit kam, habe einen Corona-Zuschlag erhalten und soll dies weiterhin, bis zum Jahresende. Zusätzlich zum Haustarif über Mindestlohn, austariert mit dem Betriebsrat im Unternehmen. Groß wie der Firmenname, steht dennoch „Mitarbeiter gesucht“ am Firmensitz. Der Bedarf sei groß, trotz bei Logistikern eher unüblicher unbefristeter Arbeitsverträge und Rabatten auf die 500.000 Produkte im Sortiment. Wachsen, erweitern, weitere Logistik-Standbeine aufbauen – dazu brauche es dringend mehr Personal. Damit dies gelingt, soll die Anbindung an den Nahverkehr verbessert oder ein eigener Shuttleservice eingerichtet werden.
Der Artikel aus der Thüringer Allgemeinen vom 1. August 2020

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